Aufruf von Top Berlin: Heraus zum World Resistance Day

Kurd*innen sprechen von ethnischen Säuberungen – wir sehen keinen Grund,
warum man es anders nennen sollte. Seit dem 9. Oktober geht der
türkische Staat gegen die autonome Selbstverwaltung in Nordsyrien vor.
Mit schweren Geschützen, Bomben und Besatzung soll einem der
erfolgreichsten progressiven Projekte unserer Zeit –
radikaldemokratisch, feministisch und multiethnisch – der Garaus gemacht
werden.

Spätestens seit der Besatzung Afrins durch pro-türkische Islamisten im
vergangenen Jahr ist allen bekannt, was der lokalen Bevölkerung droht.
Was vom Sultan in Ankara bis zu den deutschen Leitmedien als Pufferzone
euphemisiert wird, bedeutet für Kurd*innen sowie armenische und
yesidische Gemeinden Plünderung, Terror, Vertreibung und Tod. Letzlich
schießt der türkische Nationalismus Islamisten den Weg frei für
ethnische Säuberungen und frauenfeindliche Unterdrückung.

Der autoritäre türkische Staat bekommt bei seinem schmutzigen Krieg
gegen die demokratische Selbstverwaltung Rojavas Hilfe von allen Seiten:
Deutsche Waffen sichern ihm militärische Vorteile und weiterhin wird eng
mit djihadistischen Gruppen in Syrien kooperiert, die durch den Rückzug
der Kurd*innen wieder Aufwind haben dürften. Aber Deals und Abkommen
sichern das völkerrechtswidrige Handeln ab. Und nicht zuletzt weil
Erdogan Millionen von Geflüchteten pervers zu instrumentalisieren weiß,
gibt es von europäischen Regierungen nur zahnlose Worte der Empörung und
wirkungslose Maßnahmen. Hauptsache die Grenzen bleiben möglichst dicht.

Doch der türkische Staat greift nicht nur nach Außen an. Wie jeder
Faschismus verfolgt er seine Feinde im Inneren. Es reicht schon ein Wort
der Kritik auf Twitter für Hausdurchsuchungen oder schlimmere
Repression. HDP-Mitglieder werden unter Hausarrest gestellt,
festgenommen, ihre Kundgebungen angegriffen. Der Faschismus kämpft nach
außen gegen Selbstverwaltung, Feminismus und alle weiteren Erfolge der
kurdischen Befreiungsbewegung, nach innen geht er mit aller Macht gegen
oppositionelle Kräfte vor.

Für das Gesellschaftsprojekt in Rojava gibt es zwar in der europäischen
Öffentlichkeit ein bisschen Mitleid, aber jede handfeste staatliche
Unterstützung widerspräche dem geostrategischen Interesse Geflüchtete
abzuwehren. Europa scheitert wieder einmal an seinem eigenen
demokratichen Maßstab, weil es gerade die demokratische Selbstverwaltung
Nordsyriens ihrem Schicksal überlässt. Damit nicht genug: Die
Bundesrepublik agiert vielmehr als Handlanger des Erdogan Regimes und
verschärft die Unterdrückung. Unter dem Vorwand das PKK Verbot
umzusetzen werden Kulturzentren durchsucht, Verlage und Demonstrationen
verboten oder angegriffen.

Wir können uns nur auf uns selbst verlassen. Unsere Freund*innen und
Genoss*innen vor Ort sagen, dass ihnen der internationale Protest Mut
macht. Lasst uns also nicht nur gegen den türkischen Faschismus und
seine hiesigen Handlanger demonstrieren sondern auch den Kämpfenden
zeigen, dass wir sie nicht vergessen haben und ihnen mit unseren
Aktionen Mut und Kraft wünschen.

#womendefendrojava und #riseup4rojava planen am 02.11. globale Proteste
gegen Krieg und Besatzung, Deals und Waffenexporte sowie
Kriminalisierung kurdischer Strukturen. Wir kommen und rufen zur
Bundesweiten Großdemonstration in Berlin auf. Solidarität mit Rojava –
Tod jedem Faschismus!

2. November, 12.00 Alexanderplatz Neptunbrunnen

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